Neue Spiele aus Lateinamerika, Mai 2017

Nachdem meine ersten Überblicksartikel ganz gut angekommen sind, mache ich mich wie versprochen an die Fortsetzung. Ich habe wieder einige Kontakte knüpfen können und von spannenden neuen Projekten erfahren.

Argentinien

Am 6. Mai fand in Buenos Aires das dritte „Geek Out!“-Fest statt, und nach dem, was ich im Internet so lesen konnte, war es groß und klasse. Wer jemals selbst so etwas organisiert hat, weiß, dass 2400 Leute beim dritten Treffen ein toller Erfolg sind, und umso mehr, wenn man damit totales Neuland betritt. Ich habe gelesen, dass sogar Busse gechartert worden sind, um Leute da hinzukarren. Wahrscheinlich liegt in Argentinien gerade der eine oder die andere im Bett und träumt schon von 2018.
Zum zweiten Mal wurden die König-Alfonso-Preise verliehen. Hauptgewinner ist Conejos en el Huerto von Luis Marcantoni, erschienen bei Ruibal Hermanos. Herzlichen Glückwunsch! Das Spiel gewann bei der Gelegenheit dann auch gleich noch den Preis für die beste Gesamtpräsentation (seht Euch mal das „J“ auf dem Cover an – wie gut ist das denn? Glückwunsch auch an die Illustratorin Celeste Barone). Ich bin gespannt, ob man von den Kaninchen auch außerhalb von Argentinien noch was hören wird. Mit-Finalist Cultivos Mutantes ist auf Englisch ja schon in Vorbereitung.
In der Kategorie der Spiele in kleiner Auflage gewann Star Warships von Gabriel Isaac Jalil. Auch dazu herzlichen Glückwunsch.

Magos y Tabernas

Die Illustrationen sind noch vorläufig. Sie stammen aus diesem Thread bei Boardgamegeek.

Ein Bewerber um den Preis im nächsten Jahr soll demnächst erscheinen. Dabei handelt es sich um Magos & Tabernas (Magier & Tavernen) von Adrián Novell. Drei durstige Magier treffen sich in einer Kneipe, aber es ist nur noch ein einziges Bier übrig. Dass da der eine oder andere Feuerball fliegt, versteht sich von selbst. Man arbeitet sich sozusagen bis zum Bier vor, wobei man Aktionskarten einsetzt und Karten abräumt, die zwischen Magier und Bier liegen. Warum die nicht einfach neues Bier herzaubern, erfahren wir im Juli.

Brasilien

Brasilien hat offenbar klar den größten Spielemarkt in Lateinamerika. Ich habe das Gefühl, dass ich hier bisher nur an der Oberfläche kratze. Aber ich bleibe dran und freue mich ja auch darüber, weiterhin Neues entdecken zu können.

TsukijiNoch recht frisch in der Brettspielszene ist der Verlag Redbox aus Rio de Janeiro. Er gibt seit einigen Jahren mit Erfolg Rollenspielmaterial heraus, hat dann ein paar ausländische Spiele lokalisiert und wagt sich in diesem Jahr zum ersten Mal mit brasilianischen Spielen an die Öffentlichkeit. Und zwar gleich vierfach:
Im kurzen Wirtschaftskartenspiel Tsukiji von Leandro Pires ist man ein/e Fischhändler/in und muss versuchen, auf dem Fischmarkt in Tokio die Preise so zu manipulieren, dass man am Ende mehr verdient hat als die anderen.
LabyrinxLabyrinx von Daniel Braga und Thiago Matos hat hat gerade erfolgreich eine Crowdfunding-Kampagne hinter sich gebracht. Wie der Name vermuten lässt, bewegt man sich durch ein Labyrinth. Dieses entsteht im Laufe des Spiels aus Karten, und es ist wichtig, sich den Weg zu merken, denn es gibt ein „Fog of War“-Konzept, das heißt, dass Karten auf ihre Rückseite gedreht werden können. Während man also versucht, sich zu merken, wie man aus dem Labyrinth wieder rauskommen kann, sammelt man Schätze ein, weicht Fallen aus oder versucht, seine Mitspieler/innen zu ärgern.
MicropolisNoch ein Plättchenlegespiel ist Micropolis von Rodrigo Rego. Hier erweitern die Spieler/innen gemeinsam eine Stadt um Häuser, Parks, Fabriken und so weiter. Das Ziel ist es, zuerst alle eigenen Einflussmarker auf dem Stadtplan zu platzieren, was man beim Bau besonderer Gebäude tun kann.

Copacabana

Prototyp-Schachtel

Ebenfalls von Rodrigo Rego stammt Copacabana. In diesem Spiel geht es darum, zu Beginn des zwanzigsten Jahrhhunderts den verschlafenen Strand in die Mischung aus Chaos und Glamour zu verwandeln, die er heute ist. Auch hier legt man Plättchen und versucht, sich in den wertvollsten Straßen einzunisten und die wertvollsten Gebäude zu bauen.

Im März hatte ich in Gekidomeinem Lateinamerika-Überblick Space Cantina von Fel Barros und Warny Marçano erwähnt. Fel Barros arbeitet mittlerweile bei Cool Mini or Not, und dort erscheint in diesen Tagen auch eine Neuauflage von Gekido: Bot Battles, ein Spiel, das er gemeinsam mit Romulo Marques schon 2014 auf Portugiesisch herausgebracht hatte und das nun für ein größeres Publikum erreichbar werden dürfte. Gekido ist ein Würfelspiel, bei dem sich Roboter in einer Arena die Köpfe einschlagen.

 

Pablo von Marcos Mayora macht einen sehr ungewöhnlichen Eindruck. Auf 140 Karten stehen Wörter und Kategorien (in verschiedenen Schwierigkeitsstufen). Man hat einige davon in der Hand, andere liegen auf dem Tisch. Wer dran ist, fängt an, irgendein Lied zu singen und dabei möglichst viele Wörter von den Karten einzubauen, wofür es je nach Schwierigkeit verschieden viele Punkte gibt. Hat jemand anders eine Karte auf der Hand, die auch gut zu dem Lied passen würde, kann diese/r Spieler/in anfangen, mitzusingen und die eigenen Worte oder Kategorien einzubringen. Anschließend bekommt man Punkte für die Karten, die man eingesetzt hat. Auch Tomaten (in Form von Pappcountern) kann man werfen, wenn jemand falsch singt.Wer einen Eindruck davon haben möchte, wie dPabloas Spiel abläuft, kann hier gucken. Pablo erscheint bei Mandala Jogos, und es gibt Promopäckchen für verschiedene Musikstile. Es ist nach einer brasilianischen Musikshow aus den Achtzigern benannt und klingt nach einem dieser wunderbaren Spiele, bei deren übermäßigem Gebrauch man aus seiner Mietwohnung fliegt.

 

Kolumbien

Der kolumFocusXbianische Verlag Azahar Juegos hatte schon 2012 mit Xanadú auf sich aufmerksam gemacht, das drei Jahre später von Quined Games neu aufgelegt wurde. Nun gibt es zwei neue Spiele von Azahar:
FocusX von Guillermo Solano ist ein Kartenspiel, bei dem es darum geht, Gemeinsamkeiten zwischen jeweils drei Tierkarten zu finden (es gibt Tierkategorien, Farben und Anzahl). Man kann es auf Geschwindigkeit oder auch ruhiger spielen, und es eignet sich laut Verlag auch schon für Fünfjährige.
Hot-Pota-Toh!Hot-Pota-toH! stammt vom Xanadú-Autoren Javier Velásquez. Ein Kartenstapel wandert herum, und man muss entweder eine Karte spielen oder eine Karte von diesem Stapel ziehen. Man versucht dabei, bestimmte Karten auf die Hand zu bekommen und zu vermeiden, die heiße (explodierende) Kartoffel zu bekommen. Die Beschreibung erinnert natürlich ein bisschen an Exploding Kittens, allerdings kann man bei Hot-Pota-ToH! nicht ausscheiden, sondern eine Runde endet, wenn die Kartoffel explodiert, und dann zählen die Überlebenden ihre Punkte. Es gibt also einen Anreiz, auch mal was zu riskieren, um Punkte zu bekommen, oder umgekehrt darum, Punkte zu opfern, um nicht alles zu verlieren.

 

Alle Bilder mit freundlicher Genehmigung der Rechte-Inhaber/innen.

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